Searchmetrics-Studie: Hat Google wirklich seine eigene Shopping-Integration bevorzugt?

Die Europäische Kommission ist sich sicher, Searchmetrics prüft nach und liefert eine eingehende Analyse der Performance in den Suchergebnissen für Google Shopping gegenüber führenden Shopping-Vergleichsdiensten in Großbritannien, Deutschland und Frankreich.

Berlin, 28. September 2017 – Nach der Milliardenstrafe der Europäischen Kommission wegen Wettbewerbsverstößen gliedert Google seine Shopping-Integration in ein eigenes Unternehmen aus, um weitere Strafen zu verhindern. Das neue Unternehmen soll nun gleichberechtigt mit allen Mitbewerbern um Werbeplätze in der Suchmaschine bieten. Das Urteil hat Google damit nicht akzeptiert: Der Antrag auf Aufhebung wird derzeit geprüft, was Jahre dauern kann. Die Frage steht also immer noch im Raum: Gewährte Google einen illegalen Vorteil für Google Shopping in den Suchergebnissen?

Eine neue Studie von Searchmetrics zeigt auf, dass die Anzeige der Google-Shopping-Elemente in den Suchergebnissen in den letzten 5 Jahren in Großbritannien, Deutschland und Frankreich im Durchschnitt um über 300 % gestiegen ist. Gleichzeitig ist die durchschnittliche Sichtbarkeit von Google-Shopping-Wettbewerbern, den großen Online-Vergleichsseiten**, um mehr als 50 % auf Desktop-Computern und fast 30 % auf Mobilgeräten gesunken.

Doch während dies eine gewisse Untermauerung für die Position der Europäischen Kommission (EK) bietet, stützen die Daten nicht alle Behauptungen der EK gegen Google, wie Marcus Tober, Searchmetrics CTO und Gründer erklärt:

Marcus Tober, CTO und Gründer, Searchmetrics

“Während die Aussagen der Europäischen Kommission ganz klar und einseitig sind, zeigen unsere Daten, dass diese Situation wohl sehr viel tiefgehender betrachtet werden muss. Die Performanz in den Suchergebnissen von Google Shopping und seinen Mitbewerbern variiert im erstens Laufe der Zeit, zweitens von Land zu Land und drittens für einzelne Vergleichswebsites – und das ist nicht pauschal mit der These vereinbar, Google hätte eine konsequente, zielgerichtete Aktion gestartet, alle Vergleichsdienste über alle Regionen zu benachteiligen.”

Marcus Tober, CTO und Gründe, Searchmetrics

“Darüber hinaus gibt es viele Faktoren, die sich auf die Sichtbarkeit der Vergleichsseiten auswirken könnten. Zum Beispiel haben wir einige Hinweise gefunden, dass, wie Google in seiner Verteidigung behauptet hat, ein Teil des Verlustes für die Vergleichsseiten mit einer wachsenden Popularität von Verkaufsplattformen wie Amazon und eBay verbunden sein könnte. Obwohl wir hier wieder unterschiedliche Ergebnisse für jedes Land sehen und es wahrscheinlich nicht so einfach ist, wie Google uns glauben machen will,” so Marcus Tober weiter.

Angesichts des Ausmaßes der EU-Maßnahmen, mit denen Google konfrontiert ist, und der potenziellen weiteren Konsequenzen für andere Bereiche nimmt die unabhängige Searchmetrics-Studie die wichtigsten Aussagen der Europäischen Kommission, aber auch die Google-Stellungnahme kritisch unter die Lupe und analysiert, in welchem Umfang sie von den Searchmetrics-Daten gestützt werden. Aufgrund seiner Datenbank historischer Google-Suchergebnisse, der größten der Branche, ist das Unternehmen in der Lage, eine einzigartige Expertensicht zu bieten.

Die fünf wichtigsten Erkenntnisse aus der Analyse:

1) Ein erheblicher Anstieg der Google Shopping-Anzeigen in den Suchergebnissen

Zwischen März 2013 und Juni 2017 ist der Anteil der Desktop-Suchergebnisse, für die mindestens eine Google-Shopping-Anzeige (auch bekannt als Google-Produktlisten-Anzeigen) erscheint, in den drei Ländern um insgesamt 327% gestiegen. Es gab Anstiege von +386% in Deutschland, +382% in Großbritannien und +164% in Frankreich. Dies basiert auf einer Analyse der Shopping-Anzeigen für etwa 1 Millionen Suchbegriffe (Keywords) pro Land, die Searchmetrics wöchentlich trackt.

Doch während der Gesamttrend einen Anstieg der Google-Shopping-Elemente über den Zeitraum aufzeigt, muss erwähnt werden, dass es in Q1 2014 einen deutlichen Anstieg und in Q2 2016 eine deutliche Abnahme gegeben hat. Dazwischen war der Prozentsatz der Keywords mit einem Google-Shopping-Element relativ stabil.

2) Die Desktop SEO Visibility der maßgeblichen Google-Konkurrenten der betreffenden Branche ist im selben Zeitraum insgesamt gesunken

Eine Analyse von je 10 großen Online-Vergleichsseiten in allen drei Ländern, die mit Google Shopping konkurrieren, zeigt, dass ihre zusammengefasste Google SEO Visibility* (auf Desktops) zwischen März 2013 und Juni 2017 um -58% gesunken ist. In Frankreich mussten die führenden Vergleichsseiten einen Sichtbarkeitsverlust von -79%, in Deutschland -50% und in Großbritannien -30% hinnehmen.

3) Vergleichsseiten sind eher auf den Seiten 4 oder 5 von Google zu finden, auf denen Suchende selten landen

Rund die Hälfte aller Anzeigen der großen Vergleichsseiten in den Desktop-Suchergebnissen in Deutschland und Frankreich sind auf Seite 4 und 5 von Google zu finden, auf denen sie von Suchenden deutlich weniger gefunden werden. In Großbritannien sind das 42,3%. Auf Seite 1 hingegen werden nur 6,6% in Frankreich, 11,1% in Deutschland und 16,9% in Großbritannien angezeigt.

Im Gegensatz dazu erscheinen Google Shopping-Anzeigen in der Regel auf der ersten Seite – entweder ganz oben oder an der Seite der organischen Suchergebnisse. Das Ergebnis einer Studie ergab, dass sich 92% des organischen Traffics aus Seite-1-Ergebnissen ergibt.
Allerdings ist seit Januar 2015 der Prozentsatz der Keyword Rankings auf den Seiten 4 und 5 für die Wettbewerber-Websites gesunken, während die Rankings auf den Seiten 1, 2 und 3 leicht gestiegen ist.

4) Amazon und eBay könnten zum Sichtbarkeitsverlust der Vergleichsseiten beigetragen haben

Eine Verteidigung von Google gegen die Anschuldigungen der EU-Kommission ist, dass die rückläufige Performance der Vergleichsseiten in den Suchergebnissen auf den zunehmenden Erfolg von Plattformen wie Amazon und eBay zurückzuführen sei und nicht auf einen unfairen Vorteil für Google Shopping.

In Frankreich hat sich die zusammengefasste Sichtbarkeit von Amazon.fr und eBay.fr in den Suchergebnissen erhöht, während die Sichtbarkeit der Vergleichsseiten fiel, was für die Verteidigung von Google spricht. In Deutschland blieb die zusammengefasste Sichtbarkeit von Amazon.de und eBay.de stabiler als die der deutschen Vergleichsseiten. Doch im Jahr 2013 und im ersten Halbjahr 2014 zeigten die beiden Online-Marktplätze Sichtbarkeitsgewinne, während die der Vergleichsseiten sank. In Großbritannien gab es keine erkennbare Beziehung zwischen dem Wachstum der Sichtbarkeit von Amazon.de und eBay.de und dem der Vergleichsdienste.

5) Mobile Trends: Google Shopping-Einbindungen stiegen, während die zusammengefasste Sichtbarkeit der Vergleichsdienste gefallen ist

Eine Searchmetrics-Studie über die mobilen Suchergebnisse von Februar 2015 bis Juni 2017 ergab, dass die Anzahl der Keywords, für die mindestens ein Google-Shopping-Element angezeigt wurde, zusammengefasst um +307% für die drei Länder angestiegen ist.
Im selben Zeitraum zeigt die mobile Sichtbarkeit der Google-Shopping- Wettbewerber zusammengefasst einen Abstieg von -28%. Wobei dieser sich aus Sichtbarkeitsanstiegen von +16% und +11% in Frankreich und dem UK und einem Sichtbarkeitsverlust von -33% in Deutschland zusammensetzt.

Die vollständige Studie “SERP INTEGRATION STUDY: GOOGLE SHOPPING, Untersuchung einer möglichen Auswirkung von Google Shopping auf die organische Sichtbarkeit der Shopping Vergleichsseiten” hier auf Englisch heruntergeladen werden.